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Farbquartett - „Leben“

Nach all den Analysen meiner Bilder und der Farben sowie einem Exkurs in die Geschichte des Rock´n´Roll ist es mal wieder Zeit für ein Intermezzo. Machen wir einen kleinen Abstecher in die kognitive Synästhesie und betrachten die Qualitäten von vier Wörtern, die die gleiche Bedeutung haben, aber ganz unterschiedlich klingen und dementsprechend ganz unterschiedlich aussehen. Diesmal bin ich von Mittel- und Südeuropa abgerückt und habe mich in Regionen begeben, die keine sprachlichen Verwandtschaften aufweisen. Eine Bantusprache, eine westslawische, eine nordgermanische und eine japonische Sprache.

Sprachen gehören zu unseren ältesten Kulturgütern und befinden sich doch stets im Wandel. Sie adaptieren und modifizieren Wörter um sich der aktuellen Zeit anzupassen und schaffen gleichzeitig obsolet gewordene ab. Manche setzen sich gar nicht erst durch und andere bleiben relevant.

Das Wort „Leben“, welches ich für den heutigen Beitrag ausgewählt habe, gehört natürlich zu letzteren. Es ist wahrscheinlich nahezu so alt wie die Sprachen selbst und existiert in jeder einzelnen von ihnen.

Vorab noch eine Sache: um keine ellenlangen Texte zu schreiben habe ich mir erlaubt, die Beschreibungen mit kleinen Hilfen zu vereinfachen.


Nr. 1: Anstatt „in der oberen rechten Ecke“ oder „unten links“ verwende ich die Himmelsrichtungen, weil sich das schneller tippt und es gefällt mir auch besser.


Nr. 2: Um nicht jedes Mal die einzelnen (kleinen) Buchstaben aufzuzählen, teile ich sie in senkrechte (b, d, f, g, h, j, k, l, p, q, t, y) und waagerechte (a, c, e, i, m, n, o, r, s, u, v, w, x, z) ein.



maisha -


Auf Swahili bedeutet es „maisha“. Ein massives Wort mit großen und breiten Buchstaben, das unerschütterlich wie ein Gebirge von der Mitte der Bildfläche empor ragt. Die Buchstaben sind gleich groß und stehen sehr eng zusammen auf einer Linie. Ihre eckigen Elemente haben zwar akkurate Winkel, aber die Rundungen sind nicht gleichmäßig. So kommt es, dass die beiden „a“s nicht identisch sind.

Die Farbkombination aus strahlendem Weiß und Knallrot verleiht ihm Frische und Lebendigkeit ohne ihm seine statische Wirkung zu nehmen.



życie -


Das polnische „życie“ ist zwar wesentlich kleiner, hat aber ebenso breite, kantige Buchstaben ohne Serifen. Sie sind gleich groß und stehen, in ein sanftes Hellgrau getaucht, in einer Reihe. Es platziert sich ungefähr mittig nach Nordosten drängend. Dieses Wort erzählt mit seinen akkuraten Linien und nah beieinander stehenden Buchstaben von einem unaufgeregten, in sich gekehrten Leben.

Auffällig erscheinen nur „c“ und „i“, die sich sacht berühren und zu einem kleinen Teil weiß gefärbt sind.



liv -


Das „liv“ der Norweger erheischt unsere Aufmerksamkeit ohne sich uns aufzudrängen. Obwohl es kürzer ist als seine Vorgänger, ist es sehr groß. Es präsentiert sich in der Mitte ebenfalls in einer einfachen Schrift. Die schlichten, schlanken und eckigen Buchstaben, stehen in gleicher Größe und adäquaten Abständen auf einer Linie.

„l“ in sandig-braun und „i“ und „v“ in hellgrün geben dem Wort einen natürlichen Look. Doch die ungesättigten Töne verleihen ihm auch eine kühle Ausstrahlung.



jinsei -


Das japanische Wort für „Leben“ hat mit den oberen nichts gemeinsam. „Jinsei“ scheint schnell mit einer Feder dahin geschrieben worden zu sein.

Warum ich es großgeschrieben sehe, kann ich nicht erklären, aber das „J“, das leicht aus der Form zu laufen scheint, setzt sich deutlich als Anfangsbuchstabe ab. Die übrigen sind gleich groß, recht dünn und in abgerundeter Form. Ihr Abstand zum „J“ ist größer als der zueinander, aber sie stehen auf einer Höhe mit seinem Bogen. An den „i“s befinden sich niedliche kleine Haken nach rechts.

Wie die anderen Wörter ist es zweifarbig. Die erste Hälfte in Royalblau, die zweite in Schwarz. Zierlich hat es sich mittig an den westlichen Rand verzogen. Trotz seiner Abkehr und Dunkelheit gefällt es mir von den Vieren am Besten.


Dieses Farbquartett zu erstellen war aufregend und interessant. Hoffentlich, habt Ihr beim Ansehen ebenso empfunden! Ich habe ja zu keiner dieser Sprachen einen Bezug. Wie ich schon einmal erwähnt habe, lerne ich mehrere Fremdsprachen, aber diese sind Spanisch, Italienisch, Französisch und seit Kurzem Griechisch und Russisch. Wobei mich das kyrillische Alphabet ziemlich verrückt macht und wer von Euch die Sprache der Liebe beherrscht, kann sich denken, wie mich ihr stummes S und ihre „de“s und „du“s in den Wahnsinn treiben.

Wie dem auch sei, jede Sprache hat ihren ganz eigenen Sound, der die Worte einen bestimmten Rhythmus tanzen und Silbenkombinationen in einem individuellen Groove fließen lässt. Ein Wort kann man sagen, schreiben oder zeigen. Für manche kann es aber eben auch nach Erdbeeren schmecken oder nach nassem Hundefell riechen oder es klingt wie eine Harfe oder es erstrahlt in einem kräftigen Ozeanblau oder es fühlt sich an wie geschliffenes Holz. Ein einziges Wort wie z.B. „Leben“ kann über seine Bedeutung hinaus so viel mehr sein.



Kommt warm durch den Restwinter, Ihr Lieben!


Eure TinTro



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