• TinTro

„Villains“

We´re gonna take it as it comes

Future tense meets middle finger

We take the long way home“


Ihr wisst, ich halte nix von Kategorisierungen und, ob Queens of the Stone Age nun Hard Rock, Stoner Rock, Morgen Rock oder Blumen Stock machen, ist mir herzlich egal. In der Galerie habe ich sie trotzdem unter „Alternative“ (was auch immer genau das ist) eingeordnet, damit man sie einfacher findet und weil es so ein bisschen übersichtlicher da drin ist.

Die Band um ihr einziges beständiges Mitglied Josh Homme veröffentlichte ihr 7. Studioalbum „Villains“ am 25. August 2017 auf Matador Records. War also zur Entstehung des Bildes noch brandneu.



(Quelle: blitz.pt)


Produzent war kein anderer als Mark Ronson. Diese überraschende Kombination schuf ein modernes Rockalbum mit kleinen Retroeinschlägen.

Perfektes Beispiel: die coole Swing-Nummer „The way you used to do“. Da hält keiner die Füße still! Lasst uns tanzen zu roten Vierecken, die in einem weißen Schaum ruhen.




Es fiel mir nicht leicht, mich für einen Lieblingssong zu entscheiden. Denn „Head like a haunted house“ gefällt mir genauso gut. Das Rot ist jetzt stärker und wechselt in länglichen Formen mit einem kräftigen Beige.

Nostalgisch wird es auch mit „The Evil has landed“ und seinem großartigen Led Zepplin–Intro. Hier begegnet uns ein sehr helles Beige mit dunkelbraunen Einschlüssen, die durch die Oberfläche schimmern.

Rot, in Abstufungen bis Rosa, erklingt von allen drei Grundfarben am deutlichsten auf „Villains“. Zwar taucht Gelb in drei Liedern auf, ist flächenmäßig jedoch kleiner. Die beiden roten Lieder stehen sich gegenüber. Unten links die leuchtenden Gebilde von „Head like a haunted house“ und oben rechts die unterschiedlich großen Vierecke von „The way you used to do“.

Bei Gelb ist es genau andersherum. Links oben sehen wir es bei „Feet don´t fail me“. Unten links schlängelt es sich als sehr helle, aber dicke Linie an einem weißen Oval entlang - das ist der Albumtitel. Gleich daneben hingegen knallt es, in Braun gebettet, in einer löffelähnlichen Form aus „Fortress“ , das Homme für seine Kinder geschrieben hat, heraus. Somit finden sich die Brauntöne, die auch von dunkel bis hell reichen, nur in der unteren Bildhälfte.

Ein Pastellblau begegnet uns lediglich als kleiner Bogen in „Un-reborn again“, der von einem weißen komplettiert wird. Der Bogen selbst wird nach links von „Head like a haunted house“ weiter geführt.



"Villains", 18. Sept 2017, 40x60cm, Acryl & Nagellack auf Leinwand


Eröffnet wird „Villains“ aber von „Feet don´t fail me“, einem formlosen Nachthimmel. Der schwarze Hintergrund geht nach unten in „Villains of circumstance“ über. Es schwelgt in diesem Schwarz und orgasmiert in Weiß. Ein schöner Song und gleichzeitiger Abschluss für die Platte. Anfang und Ende des Albums sind miteinander verbunden und setzen Schwarz links ins Bild.

Weiß hat sich dagegen die ganze Leinwand erobert. Es zeigt sich in fast jedem Track, nicht nur gemischt, sondern auch pur. Einmal als „Hideaway“, einem großem Kreis, der sich im Zentrum der Leinwand platziert hat. Direkt darüber steht das lässige „Domesticated Animals“ als nicht geometrische Form.

Überhaupt gibt es kaum uns bekannte Figuren, kaum eckige Lieder. Viel mehr sind sie weich und abgerundet. Es wirkt eher als seien die Farben hingegossen worden. Nichts ist wirklich fest.Formen und Farben sind auf „Villains“ also sehr reduziert. Die Sekundärfarben fallen diesmal völlig aus und auch Grau als Teil des Sternenhimmels verschwindet in der oberen linken Ecke.

Die zehn Bildobjekte bahnen sich ihren Weg. Sie drängen aneinander und akzeptieren ihre Grenzen nicht. Sie lassen ihre Farben ineinander fließen, sich vermischen oder überlagern. So wird das Bild in Bewegung gehalten. Um ihm außerdem Dynamik zu verleihen, habe ich verschiedene simple Techniken benutzt. Die Sterne habe ich zuerst mit Gelb aufgetropft und bin mit Grau nochmal drüber gegangen. Um den Schaum darzustellen habe ich die, noch nicht getrockneten, roten Flächen pastös mit Weiß umrandet. Die glitzernde Welle, die „Fortress“ zum Hingucker macht, habe ich mit einem klaren Nagellack mit goldfarbenen Partikeln überpinselt (P2 „glitter gold“).

Rein aus synästhetischer Sicht hat mich das Album ziemlich enttäuscht. Wenige Songs mit noch weniger Farben. Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nicht viel zu sehen!

Musikalisch bietet „Villains“ Elektro-Disco gepaart mit ausgedehnter Beklommenheit und hervorragenden Texten.

Ronsons Einfluss ist vielleicht größer als es einem lieb wäre. Und wäre man böse, könnte man sagen, hier wurde sowieso nur fix ein Album aus zum Teil schon Jahre alten Stücken und Songfragmenten zusammen gebastelt. Aber so einfach machen es einem Queens of the Stone Age dann eben wieder nicht.

Man muss sich an diesem Komplex, an dem „neuen“ Stil etwas abarbeiten, aber es lohnt sich.

Abgesehen davon, hat Homme jemals gemacht worauf WIR Bock haben?



(Art & Design: Bowe Face)



Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntagabend!


Eure TinTro



Zitat aus „Feet don´t fail me“


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