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Violett – Von Marihuana und Königen

I took my love down to violet hill

There we sat in snow

All the time she was silent and still

So if you love me

Won't you let me know?“


Sie war die Lieblingsfarbe des Jugendstils. Sie ist das internationale Signal für Radioaktivität. Und sie wird entweder geliebt oder gehasst. Genau, dieser Beitrag widmet sich der dunkelsten aller Farben.

Ein kleiner Exkurs zur Wirkung, Symbolik und Funktion von Violett. Wie verhält es sich mit anderen Farben, wer identifiziert sich mit ihm und wie arbeite ich damit?




Violett ist eine Sekundärfarbe und gilt allgemein als kalt. Ihr wird Gelb als Partner zugeordnet. Das Paar war bei den Impressionisten sehr beliebt. Ich finde jedoch, dass Rot viel besser zu ihr passt. Man kann jegliche Töne beider Farben kombinieren und sie erscheinen immer extrovertiert, wild und gutgelaunt – dieses im Hier-und-Jetzt-leben-Gefühl.

Beim Mischen mit anderen Farben verliert Violett sehr langsam seinen Charakter, hat also eine sehr große Reichweite. Es entsteht aus den Grundfarben Rot und Blau. Deshalb ist seine Form in der Bauhauslehre (nach Kandinsky) die Verschmelzung aus dem roten Quadrat und dem blauen Kreis. Und gerade das macht es, über diese Banalitäten hinaus, zur Vereinigung von Männlich und Weiblich. Aktiv und Passiv. Feuer und Wasser. So wird Violett oft auch als Farbe der Neutralität oder Androgynie bezeichnet.

Sie ist keine alltägliche Farbe. Wir finden sie fast nie auf dem Speiseteller, an Häuserfassaden oder als Dekoration und die meisten mögen sie auch nicht in ihrem Kleiderschrank (Cartoon-Figuren ausgenommen). Am häufigsten begegnet sie uns wahrscheinlich als UV-Strahlung.

Ich selbst höre sie auch äußerst selten, was sehr Schade ist, denn ich würde sie gerne öfter verwenden. Deshalb konnte ich es nicht abwarten Gwen Stefanis „The sweet escape“ zu malen. Es klingt in verschiedenen Violetttönen und besteht hauptsächlich aus dem Komplementärkontrast mit Gelb. Es ist eines meiner Lieblingsbilder.



"The sweet escape", 26. September 2018


Metallica gab mir zweimal die Gelegenheit mit Violett zu arbeiten. Bei ihrem Klassiker „Master of Puppets“ und „Hardwired … to self-destruct“.



"Master of Puppets", 11. Juli 2018



"Hardwired ... to self-destruct", 18. September 2018


Nicht unerwähnt lassen möchte ich hier „Stadium Arcadium (Mars)“, eines meiner Lieblingsalben der Red Hot Chili Peppers, denn darauf sind zwei tolle violette Songs. „Storm in a teacup“ ist in einem rötlichen Lila gefärbt mit einem kleinen weißen Strom. Bei „Animal Bar“ ist der Blauanteil größer und in mehreren Abstufungen, es hat ebenfalls eine weiße Form und hübsche Tupfer in Türkis.



"Storm in a teacup" & "Animal Bar"










Sie ist die mystische Farbe der Magie und des Jenseits. Im weiterführenden Sinne steht sie für die Besinnung auf das Innere und Meditation.

Da ist es wenig überraschend, dass sich die 2001 gegründete Partei - deren größter Schwerpunkt der selbstbestimmte, nach höherem Bewusstsein strebende Bürger ist – den Namen „Die Violetten“ wählte. Nicht nur, dass sie eine Regierung mit einer Doppelspitze aus Mann und Frau (wo wir wieder die Vereinigung von maskulin und feminin haben) anstreben, ihr Programm beruht auf den Ideen einer Über-Realität.

Violett symbolisiert nämlich auch die Spiritualität. Selbstfindung und Weltverständnis durch esoterische Praktiken oder psychedelische Drogen herbeiführen, wobei letzteres natürlich nicht grundsätzlich zu diesem Prozess gehört. Aber bezeichnenderweise setzen sich Die Violetten für die Legalisierung von Drogen ein und die Cannabispflanze „Purple Haze“ gab der Phase des Psychedelic Rock Ende der 60er einen Namen. Wiederum in dieser Zeit gründete sich zudem Deep Purple.

Wo wir gerade bei Musik sind! Das Eingangszitat stammt aus einem Lied von Coldplay. Aus der Rubrik: Das eine gute Album von der Band, die man hasst. Es hört auf den sperrigen Titel „Viva la Vida or Death and all his friends“ (da hätte ich ja eigentlich schon keinen Bock mehr gehabt) und hat immerhin eine handvoll wirklich hervorragender Songs, darunter „Violet Hill“.



Die Töne werden allgemein in vier Kategorien eingeteilt: Rotviolett, Blauviolett, Lila und Purpur.Reines Violett, mit gleichen Anteilen Blau und Rot, zu mischen ist tatsächlich sehr schwierig. Die Entstehung eines Violetttons wird in der Literatur oft als „Kampf zwischen Rot und Blau“ beschrieben, da er, je nachdem wie er beleuchtet wird, mehr zur einen oder zur anderen Farbe neigt. Von dieser Unbeständigkeit rührt sein geheimnisvolles Wesen her. Mal wirkt Violett eng und deprimierend. Mal angenehm und beruhigend. Jetzt distanzierend, dann anregend. Eine dunkle Facette hat Tiefe, helle dagegen empfinde ich als weit.

Keine andere Farbe unseres Spektrums ist dermaßen ambivalent. Von zurückhaltend-zart bis auffällig-schwer ist alles dabei.

In Kombination mit anderen Farben kann sie ihre exzentrische Art kaum ablegen. Mit Schwarz legt sie einen dramatischen Glamourauftritt hin, mit Weiß wird sie elegant und mit Rosa sogar romantisch. Mit Orange wirkt sie sommerlich-frisch.



(Quelle: Ingrid´s notes; Tabelle entwickelt von Illustratorin Ingrid Sundberg)


Purpur hat eine lange Geschichte als Farbe für Macht und Reichtum. Sie reicht bis zu den Azteken und Inkas zurück. Im Römischen Reich war es nur hochrangigen Amtsträgern erlaubt Purpur zu tragen und auf Verstoß stand die Todesstrafe. Kleopatra ließ die Segel ihrer Armada violett färben – eine beeindruckende Machtdemonstration.

Um 1500 sorgte die Herstellung dieser Farbe fast für die Ausrottung der im Mittelmeer lebenden Purpurschnecke, aus deren Schleim die Pigmente gewonnen werden. Die Färbung von Stoffen war, wegen der aufwendigen Synthese, so teuer, dass sich diese nur der Adel leisten konnte. Purpur stand sogar noch über Gold.

Im christlichen Glauben bedeutet Violett Demut und Buße und ziert außerdem die Bischöfe. Abgesehen davon symbolisiert es ganz allgemein das Göttliche. Das war schon bei den ersten Hochkulturen so, so ist es seit jeher im Christentum und so ist es bei den Chinesen. Somit vereint Violett auch das Weltliche mit dem Geistlichen.

Lila hingegen hat den Ruf altbacken zu sein. Verschrien als Farbe des „letzten Versuchs“, weil sie bei älteren Damen recht beliebt ist, aber auch bis ins 19. Jahrhundert unverheiratete Frauen mittleren Alters markierte. In Indien ist sie die Farbe der Witwen.



Diktatorengattin mit violettem Schopf:

Die "lila Hexe" Margot Honecker







Andererseits steht die Farbe auch für Lust. In einigen alten Hochzeitsbräuchen trug die Braut einen lila Schleier. Hier verhieß es Verlangen und Ekstase.

Als Symbol für Sex, Spiritualität, aber auch Trauer verbindet Violett ebenfalls Körper und Seele, Leben und Tod. Sie gleicht so viele Gegensätze aus, dass man auch von der Farbe des Maßhaltens spricht, obwohl sie so oft uneindeutig ist. Sie erzählt von Grenzübergängen des Geistes, vom Verwischen der Geschlechter, von alten Traditionen und gesellschaftlichen Umbrüchen.

In den 70ern wurde sie zur Symbolfarbe der Frauenbewegung und steht seitdem für Feminismus und Emanzipation. Genauso fühlen sich auch Gruppen, die für die Gleichberechtigung der Homosexuellen kämpfen von ihr angezogen. In Frankreich nennen sie sich „les violets“.

Heute wird am 26. März, dem Purple Day, durch das Tragen violetter Kleidung auf die Krankheit Epilepsie aufmerksam gemacht.

Und in der Natur zeigt sie uns die Wechsel der warmen und kalten Monate an, indem sie im Frühling und im Herbst blüht. Der schöne Fliederton gilt übrigens als das ideale Violett. Noch populärer als die Farbe ist beim Lavendel der Duft, den wir aus diversen Parfüms kennen. Während der Schwarzen Seuche wurde er benutzt um den Pestgestank zu überdecken.





Everybody loves a Clown:

Violettliebhaber Der Joker





















Hier noch eine Klugscheißer-Info für Euch: In Ländern, in denen keine Veilchen vorkommen, heißt die Farbe Aubergine.


Violett ist die Einheit. Violett ist die Melancholie. Violett ist die Intuition.

Sie ist heute dies, morgen das – aber immer eines: unterschätzt!

Und denkt dran: Lila schützt vor Schwangerschaft!



Euch wünsche ich ein schönes Wochenende!


Eure TinTro


(Quellen - Collage:

Daisy Duck & Bianca - Copyright Disney; Stiefmütterchen - https://www.1zoom.me/de/wallpaper/331453/z1077.5/ ; Krokusse - https://www.gartenjournal.net/krokus-bluetezeit ; Flieder - https://de.123rf.com/photo_27877941_blumenstrauß-der-schönen-frühling-blumen-von-lila-in-einer-vase-auf-einem-weißen-vintage-holzbrett-wohnkultur-.html ; Wallpapers - https://www.bachblueten123.at/die-russischen-methoden/anwendung-der-russischen-methoden/, ; https://wall.alphacoders.com/big.php?i=774362&lang=German ; Amethyst - https://www.intergemstones.ch/Amethyst/Amethyst-dunkel/ ; lila Schmetterling-Logo - https://www.rtl.de/cms/die-geschichte-hinter-dem-lila-schmetterlingsaufkleber-2959726.html ; Lavendel - https://pixers.at/aufkleber/lavendel-32216556 ; "Purple Rain"-Cover - https://www.mix1.de/music/prince/purple-rain/ ; Brombeeren - https://www.gymondo.com/magazin/de/sportlerernaehrung/brombeeren ; Feigen - http://www.1a-die.kochschule.de/kochwissen/feige ; Pflaumen - https://www.wundermittel-natron.info/kochen-backen/obst-gemuese/pflaumen-rezept-natron ; Daphne - Copyright Hanna Barbera ; Auberginen - https://produkte.migros.ch/aubergine ; Violetter Amethyst Glanzstar - https://www.pinterest.de/pin/670614200744285735/ : Yahoo-Logo; "Child in time"-Cover - https://www.discogs.com/de/Deep-Purple-Child-In-Time-Woman-From-Tokyo/master/451327 ; Lila-Laune-Bär - https://www.buzzfeed.com/de/karstenschmehl/li-la-launemonster ; Milka-Schokolade - https://www.amazon.de/Milka-Alpenmilch-100g/dp/B000TZSSVE ; "Die Farbe Lila"-Poster - https://www.filmposter-archiv.de/filmplakat.php?id=7067 ; "Ultraviolet"-Schriftzug - https://uvbypp.cc/brochure/

M. Honecker: https://www.thetimes.co.uk/article/margot-honecker-qpmm5bg7n

Der Joker: Copyright DC Comics

Recherche - Quellen: Internet & "Das große Buch der Farben" v. Klausbernd Vollmar)















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