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  • AutorenbildTinTro

„...and Justice for all“

Do you want what I want?

Desire not a thing

I hunger after independence

Lengthen freedom´s ring“


„...Und Gerechtigkeit für alle.“ Mit diesen Worten endet der amerikanische Treueschwur und begann für Metallica ein neuer Abschnitt ihrer Bandgeschichte. Neuer Sound, neuer Bassist, neue Themen. Auf ihrem am 25. August 1988 auf Elektra Records erschienen 4. Album schlugen die Kalifornier andere Töne an. Ihrem aggressiven Spiel setzten sie progressive Texte entgegen. Hauptsächlich erst während der Aufnahmen geschrieben, behandeln sie ökologische, politische und soziale Probleme.

Die sehr langen Songs zeichnen sich durch wilde Tempowechsel und einen harten und trockenen Sound aus. James Hetfield erklärte in einem Interview einmal, dass sie mit diesem Longplayer musikalisch einfach nur angeben wollten. Deswegen setzten sie weniger auf Melodien und klassischen Trash-Metal, sondern packten zum Beispiel mehrere Gitarrenriffs in ein Lied.

Und so wie Kirk Hammett hier Bestleistung nach Bestleistung abliefert, geht Bassist Jason Newsted (Ex- Flotsam & Jetsam) komplett unter. Der Bass wurde kaum noch wahrnehmbar in den Hintergrund gemischt. Dafür gibt es verschiedene Erklärungen: Newsted wurde noch nicht als offizielles Bandmitglied betrachtet; er selbst sagte, dass er sich zu sehr an Hetfields Rhythmusgitarre orientiert habe; Steve Thompson, der den Ton abgemischt hat, behauptet wiederum, dass Lars Ulrich nicht wollte, dass der Bass den Drumsound störe.


(Art & Design: James Hetfield, Lars Ulrich, Stephen Gorman, Ross Halfin, Pushead, Reiner Design Consultants, Inc.)


Die Nichtfarben bestimmen die Atmosphäre des Bildes, das mich an einen düsteren Wald kurz vor einem turbulenten Regensturm denken lässt. Die wenigen bunten Farben, die ich hier höre, erscheinen eher in gedeckten Facetten und nehmen bei Weitem nicht so viel Platz ein wie die unbunten.


"...and Justice for all", 3. Jul 2018, 40x60cm, Acryl auf Leinwand


Am auffälligsten ist der gelbe Kreis, der eine weiß-gräuliche Schleimspur über eine wuchtige Gewitterwolke zieht. Das ist das großartige „The shortest straw“, in dem es um Blacklisting geht und die McCarthy-Ära mit ihrer Roten Angst als Referenz genutzt wird.

Direkt darauf liegt das nicht minder großartige „Blackened“ als eine kleine schwarze Wolke mit grauen Schlieren und unbeständigen weißen Kreisen, die ich mit Papier aufgedruckt habe. Zur Zeit der Veröffentlichung befand sich die Welt im Kalten Krieg. Der Text behandelt die ständige Angst vor einem Atomschlag. Heute allerdings kann man ihn als eine Warnung vor unserem Umgang mit der Natur und der Leugnung des Klimawandels interpretieren. Außerdem ist der Song Namensgeber ihres 2012 gegründeten eigenen Labels.

Linker Hand schließt sich „Eye of the beholder“ an, das ich als breiten kaffeebraunen Streifen mit einem schwarzen Ende höre. Ich habe es in seiner Ausrichtung an die nach links drängende Dynamik angepasst.

Gegenüber am unteren Bildrand sitzt eine, von zwei schwarzen Hügeln begrenzte, zweite Fläche in Kaffee mit einer kastanienfarbenen Schaumkrone. „Harvester of sorrow“ ist einer ihrer langsamsten Songs und behandelt das Thema häusliche Gewalt auf drastischste Weise. Der Protagonist wird im Kindesalter physischem Missbrauch ausgesetzt, den er nie verarbeitet und dann als Erwachsener seine Familie tötet.

Im Titelsong geht es dagegen um die Korruption des Justizwesens durch mächtige Reiche für die Justizia eben doch blind zu sein scheine. Ich höre ihn als einen dicken schwarzen, von einem dunklen Grau umflossenen, Ast an dem schwarze Fäden hängen. Diese wiederum schwimmen in einer weißen Paste. Der Albumtitel selbst erscheint in Form von schwarzen Kreisen aus denen graue Rauchstrudel empor steigen und ist eine meiner liebsten synästhetischen Erscheinungen.

Mit „To live is to die“ zollen sie ihrem verstorbenen Bassisten Cliff Burton Tribut. Es ist ein aus alten Aufnahmen zusammengesetztes Instrumental-Medley. Als massive, schwarze Fläche nimmt es die komplette untere rechte Ecke ein.

Die zehn Bildobjekte grenzen sich deutlich voneinander ab. Weder strahlen sie aus, noch fließen sie ineinander. Sie sind fest in ihren Formen, die mit ihren weichen Rundungen einen Kontrast zu den kantigen Liedern bilden. Die minimalistische Farbgebung sowie die einfache Komposition stehen ebenfalls im Gegensatz zum krassen Sound und dem irren Songaufbau.

Waagerechte Objekte habe ich an den oberen und unteren Rand gesetzt, da diese fast alle ziemlich dunkel sind. In der Mitte versammelte ich die weißen und unausgerichteten Elemente.

Um die Dynamik, die durch „The shortest straw“ von rechts die Blickführung lenkt, nach links klar auszubremsen, habe ich das einzige vertikale Lied „Dyers Eve“ über den ganzen Leinwandrand gezogen. An einem schwarzen Streifen lagert eine große Unform in Anthrazit. Drumherum fliegen hellgraue Blätter in denen mittelgrüne und dunkelgelbe Striche stecken. Alles wird von einer steingrauen Linie gerahmt. Im Closer des Albums spricht James Hetfield über die Probleme, die ihm der Erziehungsstil seiner Eltern (Anhänger der Church of Christ, Scientist) beim Erwachsenwerden bereitete. Ein Thema, das ihn von da an noch in einigen Songs beschäftigen wird.

Mit dem melodiösen „One“ schufen sie einen absoluten Fanliebling und es ist auch mein Favorit von der Platte. Als fluffige, weiße Wolke von einem hellgrauen Rahmen sanft umweht, hängt es im oberen linken Teil der Leinwand. Textlich basiert es auf Dalton Trumbos 1. Weltkriegsroman „Johnny got his gun“ und war zudem die erste Single zu der Metallica einen Videoclip drehten. Den schauen wir uns aber jetzt nicht an, sondern einen Auftritt vom Download Festival in Castle Donington, England vom 10. Juni 2023. Weil sie in einem Jahr alle Kontinente bespielten, gelten sie als die erfolgreichste Live Band, die außerdem immer eine spektakuläre Show abfeuert. Bitte Headbangen in 3... 2... 1!



In diesem finsteren Szenario stellt „The frayed ends of sanity“ das interessanteste Bildelement dar. Bestehend aus drei schwammigen Quadern in Gelbbeige, Jägergrün und Dunkelviolett ist es das einzige gesamtbunte Objekt. Da es jedoch klein ist und wenig Strahlkraft besitzt, fügt es sich perfekt in die übrige Gestaltung ein.

Neben „...and Justice for all“ und „Dyers Eve“ wurde es erst 2014 auf Metallicas „By Request Tour“ uraufgeführt. Bei diesen Konzeptkonzerten konnten die Fans per Abstimmung die Setlisten bestimmen. Ebenso wurde „To live is to die“ erst im Rahmen ihres 30-jährigen Jubiläums 2011 das erste Mal live gespielt.


(Quelle: www.Facebook.de )


Auch wenn „...and Justice for all“ erstmal gewöhnungsbedürftig ist, halte ich es für eines ihrer stärksten Alben. Mich spricht dieser experimentelle, distanzierte Klang an. Er ist nicht nur heftig und fesselnd, sondern auch etwas Anderes, eben Neues.

Metallica scheuten sich im Laufe ihrer Karriere nie aus Bekanntem auszubrechen und sich ein ganz anderes Image zu verpassen. Das gelang ihnen nicht jedesmal so gut wie in diesem Fall, aber gerade deshalb ist dieses Album so besonders.




Damit wünsche ich Euch noch einen schönen Restapril!



Eure TinTro





Zitat aus "Eye of the beholder"

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